Neurodermitis – Mittel & Wege Teil 1

Neurodermitis – Mittel & Wege Teil 1

„Da kann man nichts machen“ oder „Neurodermitis ist unheilbar“. Das hat meine Mama sich anhören müssen, als sie mich im zarten Kindesalter von Arzt zu Arzt brachte, um mir endlich Linderung oder gar Heilung zu ermöglichen.

Es ist sehr schwer, sein Kind leiden zu sehen. Wie es sich Nacht für Nacht blutig kratzt, vielleicht im Kindergarten oder in der Schule gehänselt wird und sich ganz offensichtlich überhaupt nicht wohl fühlt. Man sucht verzweifelt nach einem Auslöser, sucht eventuell sogar die Schuld bei sich selber („Habe ich was übersehen?“, „Was habe ich bloß falsch gemacht?“) und fühlt sich ebenfalls immer schlechter.

Auch als Erwachsener kann es eine Qual sein: die Haut schwer in Aufruhr, jedes Kleidungsstück ist unangenehm besonders bei extremen Temperaturen, die Blicke der Kollegen im Büro sprechen Bände und das Jucken und Schuppen im Kundenverkehr kann als sehr belastend empfunden werden. Das wiederum steigert das Unwohlsein und das Gefühl „aus der Haut raus zu wollen“. Von unerwünschte Kommentaren und Ratschlägen ganz zu schweigen.

Gibt es dann mal Zeiten in denen die Haut besser ist, hofft man auf Genesung. Wie schön wäre es, wenn das der letzte Schub gewesen wäre. Sofort atmet die Seele hörbar auf. Der Leidensdruck ist groß.

Ich finde es mehr als verständlich, alle Register zu ziehen und nicht locker zu lassen, bis man endlich etwas gefunden hat, was einen aufatmen lässt. Genau so habe ich es auch gemacht.

Neurodermitis – Mittel & Wege zeigt Dir auf, worum es geht und was Du tun kannst. Aufgrund der Fülle an Informationen habe ich für Dich eine Serie aus 3 Teilen erstellt.

Im Teil 1 befasse ich mich mit den Grundlagen, denn Neurodermitis zu verstehen ist der erste Schritt Richtung Linderung und Besserung. Ob Du selber betroffen bist oder Dein Kind: ich möchte Dir Hilfe an die Hand geben, um ein gutes Stück Richtung Beschwerdefreiheit gehen zu können.

Ein Schritt zurück

Früher dachte man, das Nervensystem sei entzündet und man gab dem Erscheinungsbild den Namen „Neurodermitis“. Diese These wurde widerlegt, der Begriff Neurodermitis hielt (und hält) sich weiterhin. Richtig wären Begriffe wie endogenes Ekzem (innere Ursachen) oder atopisches Ekzem (Neigung zu überempfindlicher Reaktion) Die Neigung zu überempfindlichen Reaktionen trifft es sehr gut und ich kann Dir jetzt schon mal sagen: genau damit werden wir arbeiten.

In unserer Entstehung spielen 3 Keimblätter eine große Rolle. Das sind Zellschichten der Embryonalentwicklung aus denen sich alle Strukturen des menschlichen Körpers ableiten. Eines der 3 Keimblätter heißt „Ektoderm“: Aus diesem Keimblatt entstehen unter anderem unsere Haut, Sinnesorgane und unser Nervensystem. Es ist also kein Zufall, das alles eng miteinander verknüpt ist und – ahnst Du es bereits? – wir genau damit arbeiten werden.

Worin sich alle einig sind: Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Erkrankung die schubweise auftreten kann und einen komplexen Hintergrund hat. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, die Forschung bleibt bis heute bei „möglichen Ursachen“. Diskutiert werden Störungen im Hautimmunsystem, Störungen bei Körpervorgängen die über das unwillkürliche Nervensystem gesteuert werden, Quecksilberbelastung (auch in der Schwangerschaft übertragen), erblicher Einfluss, psychischer Stress/Belastung oder eine Erbgutveränderung am Chromosom 11.

Wir wissen es also nicht genau. Doch statt verzweifelt weiter zu suchen widme ich mich lieber den Dingen, die man heute positiv beeinflussen kann. Auch Du kannst etwas für Dich (oder Dein Kind) tun und es ist möglich, ein (fast) beschwerdefreies Leben zu führen.

Für den heutigen Tag brauchen wir zwei Dinge: Gute Freunde & Balance

Gute Freunde

Wenn die Haut unser empfindlichstes und momentan schwächstes Organ ist liegt es nahe, hier direkt ansetzen zu wollen. Wir tun alles mögliche und unmögliche, um die Haut gesund zu bekommen. Besondere Salben, Cremes, Reisen ans Tote Meer, Besprechungen und Nahrungsergänzungsmittel werden probiert. Das kann auch wohltuend sein, wird aber in der längerfristigen Betrachtung nicht ausreichen um beschwerdefrei zu leben.

Wie wäre es, wenn wir den Blick ändern und unsere Aufmerksamkeit auf die anderen Organe richten, die ebenfalls – wie die Haut – zu den Ausscheidungsorganen zählen. Vielleicht könnten sie die Haut bei ihrer Arbeit entlasten und für eine überschaubare Zeit etwas intensiver arbeiten? Wie bei einer guten Freundschaft oder Beziehung greift man sich unter die Arme, übernimmt Aufgaben die man gut erledigen kann und schenkt Unterstützung bei den Dingen, die gerade etwas schwerer fallen.

Aufgabenverteilung

Statt der Haut alles abzuverlangen, bitten wir ihre besten Freunde um Unterstützung: den Darm, die Nieren und die Atmungsorgane. In dieser Konstellation wird die Haut entlastet, denn alle helfen bei der Ausscheidung belastender Stoffwechselendprodukte mit. Der Darm wird mit guten Bakterien gefüttert und eine eventuelle Durchlässigkeit repariert, die Nieren werden zum effektiven Abtransport und zur Ausscheidung angeregt, gesunde Bronchien und Lungen leisten ebenfalls permanent wichtige Ausscheidungsarbeit über das Ein- und Ausatmen.

Die Leber bitte wir zusätzlich um Mithilfe. Sie ist ein zentrales Stoffwechselorgan und dient als Filter zwischen dem Darm und dem Körperkreislauf.

Balance

Erinnerst Du Dich an die 3 Keimblätter und die unmittelbare Verbindung von Haut, Sinnesorganen und Nervensystem? Wenn wir an diesen Verbindungen ansetzen haben wir eine gute Möglichkeit, die Neigung zu überempfindlichen Reaktion positiv zu beeinflussen. Doch wie kann das gehen?

Wir schenken uns Ruhe und Balance. Dabei geht es nicht um „Ommmm…“ oder realitätsfremde Ratschläge. Es geht um das gesunde Minimieren von Störfaktoren. Was hilft: Ein geregelter Tagesablauf mit ausreichend Schlaf, eine reizfreie Hautpflege, Baumwoll- oder Seiden-Kleidung, ein individueller Ernährungsplan, geeignete Wasch- und Putzmittel, im Schub Verzicht auf Genußgifte wie Alkohol und Nikotin und ein rythmischer (aber nicht langweiliger) Lebensstil.

Was aber, wenn es GERADE JETZT richtig schlimm mit der „Neuro“ ist?

Keine Angst vor Cortison

In Momenten starker Schübe bin ich eine Befürworterin von Cortison-Medikamenten (z.B. Prednisolon). Sie sind eine echte Erleichterung und ein Segen, wenn nichts anderes mehr geht. Das schnelle Abheilen der Haut lässt aufatmen, endlich wieder durchschlafen und tut der Psyche gut. Und das ist elementar auf unserem Weg: Pausen, Aufatmen, Durchschnaufen.

Wichtiger Tipp: bitte keine fertigen Cortison-Cremes benutzen. Sie enthalten mehr Schadstoffe und mögliche Allergene, als das sie Dir nützen. Bitte Deinen Arzt um eine ganz einfache Anmischung in der Apotheke (zum Beispiel Deine gut verträgliche Basiscreme plus Prednisolon als Wirkstoff). Du kannst die Creme für ein paar Tage nutzen, dann langsam ausschleichen und peu-à-peu durch Deine Basiscreme ersetzen. Bewahre das Töpfchen im Kühlschrank auf, so kannst Du bei Bedarf darauf zurück greifen.

Wenn Dein Arzt dafür ein Privatrezept ausstellen muss, danke ihm herzlich für die Kooperation. Das eventuell selbst zu zahlende Geld ist schnell vergessen zu dem Nutzen, den Dir die angerührte Salbe/Creme in Zeiten größten Unwohlseins bringt.

Der 2. Teil von Neurodermitis – Mittel & Wege ist Babies und Kleinkindern gewidmet. Für einen guten Start ins Leben und mehr Wohlbefinden.

Im 3. Teil von Neurodermitis – Mittel & Wege zeige ich Dir, wie man die „guten Freunde“ motiviert, schreibe über Hautpflege, Ernährung, Mineralstoffe/Spurenelemente, Lebensführung und naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten.

lka Sterebogen ist selbständige Heilpraktikerin in Limburg an der Lahn. Sie hat sich auf die Themen Frauengesundheit und Kinderwunsch spezialisiert und betreut Frauen und Paare in ihrer Praxis vor Ort sowie online in ihrem virtuellen Praxisraum. Folgen Sie ihr auf ihrer inspirierenden Facebook Seite für Frauen.

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